Volkslied

Meistersinger lösen den Minnesang ab

Auf die mittelhochdeutschen Lyriker, die für den Frühling des Minnesanges gelten können, folgten die vollendeten Meister, Reinmar der Alte, Hartmann von Aue, Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Strassburg und Neidhart von Reuenthal. Würdig schließt sich ihnen der jüngere Ulrich von Lichtenstein an. Dagegen leitet Heinrich von Meissen oder Frauenlob bereits zu den bürgerlichen Meistersingern hinüber. Auch die wenigen Edlen, die zu Ausgang des Mittelalters als Lyriker zu nennen sind, wie Hugo von Montfort (um 1400) und Oswald von Wolkenstein (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) lehnen sich mehr an das volksmäßige, als an die alte Hofkunst an.

Mit dem Verfall des deutschen Reiches und der folgenden Thronbesteigung Rudolfs von Habsburg, erlosch auch der edle Glanz des alten Rittertums; er ward wieder das, was er einst gewesen: ein Reiterstand, dem nichts ferner liegen konnte, als die Pflege der Dichtkunst.

Das Erblühen der Städte ließ dann auch mehr und mehr den Adel gegen den Bürgerstand, den die politischen Verhältnisse begünstigten, in den Hintergrund treten, und die Pflege der Dichtkunst ging, dem entsprechend, in die Hände der Bürger über. So erscheint das Lied nun in seiner zweiten, gleichfalls mehr kunstmäßigen, Phase, als Meisterlied, im sogenannten Meistergesang.

Schon mit dem Ausgange des dreizehnten Jahrhunderts war der Minnesang an den Höfen nahezu verstummt, und die wenigen Edlen, welche sich im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert noch dem Liedersange widmeten, taten dies meist in mehr volkstümlicher Weise, weniger in der alten verschollenen Hofkunst. Diese ging vielmehr auf die Dichter und Sänger bürgerlicher Abkunft über, auf schlichte Handwerker, welche sich auch zur Pflege der Dichtkunst und des Gesangs zünftig abschlossen und als Meistersinger besondere Schulen gründeten.