Volkslied

Das Jagdlied

Das Jägerlied, das als formvollended gilt und ja fast immer zugleich Liebeslied ist, steht diesem auch an Wahrheit und Innigkeit des Ausdrucks nicht nach. Zwar zeigen alle diese Volkslieder eine gewisse Uniformität der Stimmung. Doch nichtsdestoweniger machen sich bei einzelnen schon charakteristische, durch Ort, Zeit und Art ihrer Entstehung bedingte Unterschiede geltend. So entzückt das Jägerlied durch die Sinnigkeit und den frischen, fröhlichen Zug, der wie Waldluft das Ganze durchweht, und man vermeint Hornsignale zu vernehmen, während im Schäferliede der Ton der Schalmei, im Fischerliede das Rauschen des Wassers hindurchklingt. Hier darf sich der Empfindungreichtum der Volksseele freien Lauf lassen, hinausschallen und und seine Liebe zur Natur verkünden.

Als einer der Begründer der modernen Jagdkunst gilt Ludwig von Wildungen. Mit seinen Gedichten und Liedern gilt als einer der wichtigsten Vertreter der romantischen Jagdpoesie zwischen 1790 und 1860. Seine ersten "Lieder für Forstmänner und Jäger" erschienen 1788. Sie wurden 1790 von J. Chr. Müller in Musik gesetzt. Von 1794 bis 1800 gab er ein jährliches Taschenbuch mit dem Titel "Neujahrs Geschenk für Forst- und Jagdliebhaber" heraus; ab 1800 wurde es in "Taschenbuch für Forst- und Jagdfreunde" umbenannt. Aus von Wildungens Dichtung "Lob der grünen Farbe" entwickelte sich das Volkslied "Grün ist Wald und Flur", auf dem Texte zahlreicher Vereinslieder deutscher Sportvereine beruhen, darunter auch "Blau und Weiß, wie lieb' ich dich", das offizielle Vereinslied des FC Schalke 04.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein genoss die Jägerzunft hohes Ansehen im Volk, sie wahrte Traditionen und Rituale und pflegte neben der Jägersprache, manchmal auch spöttisch als Jägerlatein bezeichnet, den Gesang vor und vor allem nach der Jagd.

Mit dem Aufkommen des Tierschutzes geriet die Jägerei immer mehr in die Kritik und damit auch das Jagdlied ins Abseits. Dennoch verdanken wir dieser Gattung einige der schönsten und bekanntesten Volkslieder, die, wie nicht zuletzt die Wandlung mancher Jägerhymne in eine Sporthymne belegt, nichts an Reizen verloren haben.