Volkslied

Begriff Volkslied

Die Bezeichnung "Volkslied" stammt von Johann Gottfried Herder, der sie um 1773 erstmals verwendete für seine Sammlung und Übersetzung von heimischen und ausländischen Liedern, die später unter dem Titel "Stimmen der Völker in Liedern" erschienen). Durch Herder wurde der für ihn sammelnde junge Goethe auf die besonderen Schönheiten des Volksliedes aufmerksam und zum Dichten von volksliedhaften Texten angeregt, so unter anderem zum vielfach vertonten Gedicht "Heideröslein".

Eine allgemein anerkannte Begriffsbestimmung für das, was ein Volkslied ist, gibt es bis heute nicht. Unzutreffend ist die bekannte Scheindefinition, das Volkslied sei ein Lied, von dem weder der Dichter noch der Komponist bekannt sei.

Noch Hugo Riemann war sehr vorsichtig in der letzten von ihm stammenden Auflage seines Musiklexikons (1916):

"Volkslied heißt entweder ein Lied, das im Volke entstanden ist (d. h. dessen Dichter und Komponist nicht mehr bekannt sind), oder eins, das in den Volksmund übergegangen ist, oder endlich eins, das 'volksmäßig', d. h. schlicht und leichtfasslich in Melodie und Harmonie komponiert ist."

Alfred Götze definiert in "Das deutsche Volkslied" (1929) das Volkslied mit den Worten:

"Volkslied ist ein Lied, das im Gesang der Unterschicht eines Kulturvolks in längerer gedächtnismäßiger Überlieferung und in ihrem Stil derart eingebürgert ist oder war, dass, wer es singt, vom individuellen Anrecht eines Urhebers an Wort und Weise nichts empfindet."

Der Name Volkslied, so selbstverständlich und einfach er daherkommt, umfasst eine Fülle von Zuordnungen, die sich kaum in eine erschöpfende Begriffsbestimmung pressen lassen, zumal die Umgrenzung ständig im Fluss ist.

Als wesentliche Eigenschaft des Volksliedes gehört auf jeden Fall, dass das Volkslied gesungen werden und eine volksläufige Melodie haben muss. Goethes "Heideröslein" ist beispielsweise erst durch die Vertonung durch Heinrich Werner zum Volkslied geworden, nicht aber durch Schuberts Komposition, weil diese nicht volksläufig ist, und der Text allein hätte nie ein Volkslied werden können. Denn die Melodie ist im Volkslied im allgemeinen wichtiger als der Text. Erkennbar an der Tatsache, dass entstellte, zuweilen unsinnige Textstellen den Singenden kaum als solche bewusst werden.

Im Volkslied werden die ursprünglichen Texte häufig nach der Fassungskraft des "Volkes" oder nach landschaftlichen Erfordernissen zurechtgebogen, unter Umständen wird dabei sogar der Sinn auf den Kopf gestellt. Das gilt selbst für nicht volksgemäße Einzelwörter. So wurde aus Goethes "Frühlingsgöttern" auch mal "Frühlingsgärtner".