Lobe den Herren

Joachim Neander (1680)

Grundlage der ursprünglichen Melodie war das Lied "Hast du denn, Jesu, dein Angesicht". Die Melodie wurde jedoch über einige Jahrzehnte bis zur heute bekannten Melodie abgewandelt.

Musiknoten zum Lied Lobe den Herren

Liedtext

Lobe den Herren,
den mächtigen König der Ehren,
meine geliebete Seele,
das ist mein Begehren.
Kommet zu hauf,
Psalter und Harfe, wacht auf,
lasset den Lobgesang hören!

Lobe den Herren,
der alles so herrlich regieret,
der dich auf Adelers
Fittichen sicher geführet,
der dich erhält,
wie es dir selber gefällt;
hast du nicht dieses verspüret?

Lobe den Herren,
der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen,
dich freundlich geleitet.
In wieviel Not
hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet!

Lobe den Herren,
der deinen Stand sichtbar gesegnet,
der aus dem Himmel
mit Strömen der Liebe geregnet.
Denke daran,
was der Allmächtige kann,
der dir mit Liebe begegnet.

Lobe den Herren,
was in mir ist, lobe den Namen.
Alles, was Odem hat,
lobe mit Abrahams Samen.
Er ist dein Licht,
Seele, vergiß es nicht.
Lobende, schließet mit Amen!

Karaoke

Weltweites Gotteslob

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren gehört zu den bekanntesten Kirchenliedern, das konfessionsübergreifend auch in vielen anderen, vor allem in europäischen und amerikanischen, Ländern beliebt ist. Bisher wurde es in 32 Sprachen übersetzt.

Inspiriert durch Psalm 103 hat aus Bremen stammende evangelische Hilfsprediger Joachim Neander (1650 - 1680) den Text kurz vor seinem Tod verfasst. Die Melodie geht auf das seit 1665 aus dem Gesangbuch von Stralsund bekannte Kirchenlied Hast du denn, Jesu, dein Angesicht zurück, schreibt der Volksliedforscher Michael Fischer im Historisch-kritisches Liederlexikon (vgl. liederlexikon.de, 2005).

Zum ersten Mal veröffentlicht wurde Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren mit der erwähnten Melodie 1680 in Neanders Erbauungsbüchlein Glaub- und Liebesübung. Durch zahlreiche Nachdrucke - in Dutzenden von Auflagen - wurde das Lied bald in ganz Deutschland bekannt. In den USA wurde Lobe den Herren in das in New York 1885 herausgegebene Die schönsten deutschen Volkslieder aufgenommen. 1894 tauchte es erstmals in Helvetica - Liederbuch für Schweizer Schulen auf.

Das "seit Mitte des 18. Jahrhunderts zum evangelischen Kernbestand der Loblieder gehörende Lied" (Michael Fischer, s. o.) fand auch Aufnahme in zahlreiche Schulbücher und andere Gebrauchsliederbücher, vor allem in Chorbücher.

In Deutschland ist es in der Zeit nach 1900 weiterhin in zahlreichen Chorliederbüchern enthalten wie natürlich auch in den verschiedenen Gesangbüchern der einzelnen Landeskirchen. Auch außerhalb von Gottesdiensten wurde und wird es von der evangelischen Jugend und in mennonitischen und neuapostolischen Kreisen gesungen. In zahlreichen Schulbüchern ist das Loblied ebenso vertreten wie in Liederbüchern der Pfadfinder und sogar der Freimaurer.

Seitdem zwischen 1993 und 1996 das evangelische Einheitsgesangbuch (EG) eingeführt wurde, ist die Originalfassung unter der Nummer 317 vertreten und die ökumenische Version unter der Nummer 316. In das katholische Gesangbuch Gotteslob (GL) wurde 1975 die seit 1973 gültige ökumenische Version unter der Nummer 392 aufgenommen worden.

Der Musikkatalog des Deutschen Musikarchivs Leipzig weist über 100 Tonträger (LPs und CDs, Stand August 2017) aus. Hervorzuheben ist die Interpretation des Leipziger Thomanerchors mit dem Gewandhausorchester.

Liedbetrachtung

Neander hat den Psalm 103, dessen erster Vers "Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen" aufgegriffen und alle Strophen seines Liedes mit der Aufforderung, "den Herren zu loben", beginnen lassen.

Das "lobe" richtet sich nicht an die Zuhörer oder Leser, sondern, wie wir der dritten und vierten Zeile entnehmen können, an uns selber. Erst die Folgezeilen wenden sich an Dritte mit dem Imperativ, instrumental und mit Gesang den Herrn zu loben.

Obwohl Neander als Kind und auch noch später die Folgen des 1648 beendeten Dreißigjährigen Krieges erlebt hat, lobt er aus tiefem Glauben "den Herren, der alles so herrlich regieret". So wie seine Eltern - bildlich gesprochen - auf den "Fittichen eines Adlers" den Krieg überlebt haben, ist er gewiss, dass Gott auch ihn im Leben behüten wird. Und er wendet sich an Christen und fragt, ob nicht auch sie erlebt haben, wie gut "der König der Ehren" es mit ihnen meint. Der Herr hat ihnen Gesundheit verliehen und lässt sie nach einer Krankheit gesunden, wenngleich dies wird nicht ausdrücklich im Text gesagt wird. Der "gnädige Gott" hat sie vor Not bewahrt oder aus vielen Nöten geholfen (vgl. Buch Hiob Kapitel 1, Vers 21: "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Der Name des Herrn sei gelobt.").

Vielen Sängern des Liedes, war und ist es, wie mir, unklar, was mit "deinem Stand" in der zweiten Zeile der vierten Strophe gemeint sein könnte. Laut Duden war ein Stand eine Schicht in einer hierarchischen Gesellschaft; noch heute spricht man von Mittelstand oder Berufsstand. Aber wieso sollte der Herr nur den Stand segnen, dem der Sänger oder sein Gegenüber angehören? Um diese Missverständlichkeit aufzuheben, wurde die Zeile geändert. Seit 1973 heißt es nun in der ökumenischen Version: "der sichtbar dein Leben gesegnet". Schon das ist ein Grund, den Herrn zu loben, wie auch die Liebe Gottes, die uns "der Allmächtige" zuteilwerden lässt.

In der ökumenischen Fassung der fünften Strophe lauten die 3. und 4. Zeile "Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen". Die 4. Zeile wurde als anstößig empfunden, weil „die Formulierung ›Abrahams Samen‹ auf die Christen als die neuen Kinder Israels anspielt“ (Michael Fischer, Liederlexikon) und damit die Christen über die Juden stellt (vgl. Johannes 8, Verse 33 - 37).

Insgesamt ist allein diese Strophe, in der Gott metaphorisch als Licht - im Gegensatz zum Dunkel, dem Tod - bezeichnet wird (vgl. Johannes 1, Vers 5 "Gott ist Licht"), ein einziger Lobgesang, der mit einem "Amen" zu beschließen ist. Die hebräische Grundbedeutung von Amen ist: fest, zuverlässig, sicher sein. Das Wort "bestätigt, dass etwas Ausgesprochenes als gewiss und zuverlässig erkannt und anerkannt wird, etwa im Sinne von ‚So sei es‘" (vgl. Stichwort "Amen", bibelwissenschaft.de ).

Georg Nagel, 23. September 2017