Laßt des Jägers Trinklied schallen!

Volkslied (1898)

Jagdlied vom Emser Jagdverein (1898).

Musiknoten zum Lied Laßt des Jägers Trinklied schallen!

Liedtext

Laßt des Jägers Trinklied schallen!
Jeder sing' aus vol1er Brust,
daß in diesen heil'gen Hallen
herrsche nichts, wie helle Lust!
Scharfe Augen, gute Seele,
treue Hand in Freud' und Leid,
und dann ewig durst'ge Kehle,
|: haben alle Jägersleut'! :|

In des Waldes finstern Gründen,
auf der Trift und auf der Flur,
wo ein edles Wild zu finden,
folgt der Jäger seiner Spur.
Ist ihm deshalb anzukreiden,
daß, derweil er eifrig jagt,
trotz der hohen Jägerfreuden
|: heißer Durst ihn immer plagt? :|

Wenn der früh'ste Morgen tagte,
wenn erwacht kaum die Natur,
schon der alte Deutsche jagte
in dem Wald den Riesenur;
trieb den Speer in seine Flanken
oder in das Herz ihm vorn;
sah das Ungetüm er wanken,
|: trank er "Jagdglück" aus dem "Hörn". :|

Poesie erblühte prächtig,
als das Mittelalter kam,
als von Armbrust, Bogen mächtig
nun der Jäger Abschied nahm.
Wenn beim Knall der Arkebuse
Hirsch und Reh zu Boden sank,
er mit diesem Pulvergruße
|: "Heil" auf das "Halali" trank. :|

Falk' auf ihrem zarten Händchen,
gelbbehandschuht, goldgeschmückt,
Edeldam' in Land und Ländchen
ritt zur Reiherjagd entzückt.
Stieß der Falk herab die Beute,
trank sie kaum ein Schlückchen schier
aus dem Becher, den ihr weihte
|: demutsvoll ihr Kavalier. :|

Schnell vergingen jene Zeiten! -
leider sind vergangen sie!
aber wackern Jägersleuten
schwand nicht ihre Poesie: -
Hirsch, Reh, Has', Huhn, wilde Ente,
seine Flinte leicht erreicht;
fällt das Tier, potz sappermente!
|: macht er seine Kehle feucht. :|

Darum wollet es so halten,
Freunde, hier im Jagdverein,
wie die lieben, wackern Alten!
rufet all': "So soll es sein!"
Jägersleut', ihr braven Zecher!
leeret hier, wo Sang erschallt,
eure laubumkränzten Becher
|: und - wenn's draußen hat geknallt! :|