Felix Mendelssohn Bartholdy

Meister der formalen Gestaltungskunst

Mendelssohns Verdienste um die deutsche Tonkunst sind ihm vielfach von übelwollenden Gegnern geschmälert worden. Doch auch wenn seine Melodien durch ihre allzu sentimentale Färbung häufig die Grenze des Banalen streifen, so setzt doch ein solches dem herrschenden romantischen Geschmack folgendes Verfahren sein überlegenes musikalisches Können, seine meisterhafte formale Gestaltungskunst und quellende Phantasie nicht im geringsten herab. Fehlt es ihm auch vielleicht an letzter, aufrüttelnder Kraft des Erlebnisses, so entschädigt er dafür durch eine Fülle von Wohllaut, Anmut und Reinheit. Wie keiner versteht er es, das Huschende, Schwebende, Kriechende und Wispernde in Tönen auszudrücken, wovon nicht nur die zauberhafte "Sommernachtsouvertüre", sondern viele Sätze seiner Kammermusik mit ihrer Elfenmusik Zeugnis ablegen.

Unvergessen bleibt ihm auch, dass er mit unermüdlicher Energie eine Renaissance der älteren Tonkunst eingeleitet hat und Meister wie Bach und Händel wieder populärer machte.

Mendelssohn war zugleich einer der gebildesten Männer seiner Zeit, der an allen Erscheinungen der Kunst und Wissenschaft lebhaften Anteil nahm und mit den berühmtesten Zeitgenossen in enger Verbindung stand.

An der künstlerischen Spitze seiner Werke stehen die beiden Oratorien "Paulus" und "Elias", die seit Haydn die bedeutendsten Erzeugnisse dieser Gattung sind. Echt romantische Formen sind die von ihm zurest geschaffenen Konzertouvertüren, neben den schon erwähnten noch "das Märchen von der schönen Melusie", "Ruy Blas" und "Trompetenouvertüre".

5 Sinfonien (Nr. 1 c-Moll op. 11, Nr. 2 Sinfoniekantate "Lobgesang" op. 52, Nr. 3 a-Moll (schottische) op. 56, Nr. 4 A-Dur (ialienische) op. 90, Nr. 5 D-Dur (Reformationssinfonie) op. 107), ein Violinkonzert (op. 64), zwei Klavierkonzerte (g-Moll op. 25 und d-Moll op.40) bereichern zudem die von Beethoven klassisch ausgeprägten Formen um manche interessante Einzelzüge, ohne sie allerdings in der Größe des Wurfes zu erreichen.

Felix Mendelssohn Bartholdys Klavierwerke - neben den "Liedern ohne Worte" noch viele andere wie Rondo capriccioso, Variatonen usw. - haben die deutsche Hausmusik jahrzehntelang beherrscht.