Geschichte des Liedes

Das Kinderlied

Schaukel- und Kniereiterliedchen

Sie sind etwas aus der Mode gekommen, die Schaukel- und Kniereiterliedchen, die früher bei Jung und Alt so beliebt waren. In den vergangenen Jahrhunderten, als den Kindern noch nicht so viel Zerstreuung geboten werden konnte wie heute, was es ein Vergnügen, wenn sich die Eltern mit den Kindern beschäftigten und die Kleinen, die sich gar zu gerne bei einkuschelten, von Mama oder Papa auf den Schoß gesetzt und daselbst geschaukelt wurden. Dazu wurde ihnen etwas vorgeträllert oder Kindliches erzählt.

Aus dieser Tradition ist ist die gemütliche Plauderei für Schoßkinder und Stubenläufer entstanden, die man als Kniereiter- oder auch Schoßliebchen bezeichnete. Sie sind mit den Koseliedern inhaltsverwandt, nur mit dem Unterschiede, dass sich hier auch der Vater am Singen oder Erzählen beteiligt.

Naturgemäß sind gewöhnlich Knaben die Kniereiter, während das Schwesterlein lieber bei Tanz und Puppe bleibt. "Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe und stürmt" - zunächst auf Vaters Knie, dann "in das Leben wild hinaus" unter lustigen Reiterliedchen.

Dergleichen haben eine lange Tradition. Schon Fischarts Spielverzeichnis 1575 erwähnt "Wie reiten die Mönch?" und gibt damit einen Teil des Reims, den vor dreihundert Jahren deutsche Väter ihren Jungen zum Knieritt sangen.

Die ersten Reit- und Tanzstunden auf des Vaters Knie ober der Mutter Schoß waren nicht nur eine beglückende Unterhaltung des Kindes, sondern förderten zugleich den freien Gebrauch der Glieder.

Das bis heute wohl bekannteste Liedchen dieser Gattung ist

Hoppe, hoppe Reiter,
wenn er fällt dann schreit er.
Fällt er in den Graben
dann fressen ihn die Raben;
fällt er in den Sumpf,
dann macht der Reiter plumps.

Anstelle des "Reiter" wurde dabei meist der Name des Knaben genannt, das Kind direkt angesprochen, das dann auch dem Lied entsprechend mit einem sanften Plumps zu Boden rutschte.

Heute ist das Schaukel- und Kniereiterliedchen primär nur noch eine Erinnerung der älteren Generation. Die meisten Kleinkinder kommen mit solch altmodischen Spielchen heutzutage kaum noch in Berührung. eigentlich schade, denn gerade heute belehren uns die Wissenschaftler immer wieder wie wichtig und fördernd, der Direkte Kontakt zwischen Kind und Eltern ist, speziell auch im Rahmen der KiTa-Diskussionen und der damit verbundenen Entfremdung der Kinder wenn diese zu früh von den Eltern in fremde Obhut gegeben werden.