Geschichte des Liedes

Das deutsche Volkslied

Preisen der Feste, Stände und Handwerk

Wie jede Jahreszeit und jedes Fest, so wird jeder Stand, jedes Handwerk in Liedern gepriesen. Da singt der Schreiber, und er muss ja wohl singen; denn: "Papiers Natur ist rauschen, und rauschen will es viel; man kann's nit wohl vertuschen, dann es stets rauschen will." Da singt der Drucker das Lob seines Ordens, der Müller, Weber, Metzger, Schuster, Schneider zum Ruhme seiner Gilde oder auch wohl ein Spottlied auf die andere. Der Hirt auf den Alpen wie der Schiffer, der nach Norden fährt, haben ihre Lieder.

Eine Fülle charakteristischer Züge aus dem bewegten Kriegsleben der Zeit weisen die Reiter- und Landsknechtlieder auf. Keine bess're Lust weiß sich ein wilder Bursch zu Pferde als durch die Welt zu traben, täglich neue Städte zu besehen und Beute zu machen, und wenn die Taschen voll sind, das Erbeutete in Saus und Braus aufgehen zu lassen. Leicht und keck wird der Weiber Gunst gewonnen, und an Treue ist nicht zu denken. Nur selten ertönt ein inniges Lied als Ausdruck tiefer Neigung. Auch klingen die Gulden nicht immer im Säckel, und dann heißt es: "Ich bin's ein armer Reutersknab', ich hab' verzehrt all, was ich hab', und all mein' Hab' steht hinter dem Wirt." Der aber will den Gast nicht ziehen lassen: "Bezahl du mir den kühlen Wein, dazu die gebraten Hähnlein gut. Wann du mich dann bezahlet hast, so hab Urlaub, mein werter Gast!" Da kommt Hilfe in der Verlegenheit: "Die Wirtin sah den Reuter an, er deucht' sie sein ein höflich Mann, sie bot ihm ihr' schneeweiße Hand, dazu die guten Gülden rot, die halfen dem guten Schlucker aus aller seiner Rot." Solche Wirtinnen sind aber selten, und wenn es gar keinen Verdienst gibt, dann heißt es: "Muss reiten und rauben, stehlen wie ein Dieb."

Im Sommer geht das lustige Leben wohl an, aber "der Reif und auch der kalte Schnee, der tut uns armen Reutern weh", und da ist Not um eine milde Hand, "die uns den Winter aus Nöten hilft". Dann kommen schlechtes Quartier, Hunger, Durst, Regen und Sturm, Lager auf faulem Stroh und andere Plagen. - "O Reiserei, du harte Speis!" Es ist ein saures Leben, das manchen wilden Fluch hervorruft. "Fuchswild bin ich, Tag und Nacht hab' ich kein' Ruh', wie ich auch tu'; allzeit es gilt, ich bin fuchswild!"

Ähnlich ergehen sich die Lieder der Landsknechte, aber roher und verwilderter; denn das ist ein zusammengelaufener unsteter Haufen, der Schrecken der Städte und Dörfer in Feindes- wie Freundesland. "Der Landsknecht muss sich in dem Land herumkehren, bis er hört von Krieg und Feindschaft der Herren"; da lässt er sich anwerben, und zwar von dem, der das meiste zahlt. Die Sache, für die solche Burschen ins Feld gehen, ficht sie nichts an; für gut Geld kann sie morgen der Feind erkaufen, dem sie heute schadeten. "Würfel und Karten ist ihr Geschrei, wo man hat guten Wein, sollen sie sitzen bei." Vielfach sind die Klagen gegen das wilde Gesindel, das keine Zucht und Sitte kennt. Zerlumpt und halbnackt laufen die einen umher, die andern abenteuerlich und mit ungeheurem Aufwand herausgeputzt. Besondere Kriegslieder der Landsknechte gibt es hauptsächlich aus den Feldzügen in Italien, wo die Schlacht bei Pavia besungen wird und Lieder zu Ehren Georgs von Frundsberg, des Feldhauptmanns, und Kaiser Maximilians angestimmt werden.