Carl Maria Freiherr von Weber

Schöpfer der Romantik

Carl Maria Weber ist der eigentliche Schöpfer der Romantik. Romantisch wie sein Leben war, das zwischen ungebundenem Zigeunertum und ritterlichem Kavaliertum hin und her schwankt, spiegelt auch sein Werk das bunte Prisma seiner Seele wieder. Als Tänzer, Jäger und Lautenspieler durch die Welt ziehend, reifte er in stiller Selbstzucht zum ersten großen Dramatiker der deutschen Bühne. Was seiner Musik einen so köstlichen, stets erfrischenden Zauber verleiht, ist die innige Verknüpfung mit tiefstem volkstümlichen Empfinden. In dieser Beziehung ist der "Freischütz", in dem sich die ganze Poesie des deutschen Waldes enthüllt, sein im besten Sinne populärstes Werk geworden. Seit Mozarts "Zauberflöte" und Beethovens "Fidelio" war kein Werk auf die deutsche Opernbühne gekommen, das in ähnlicher Weise schon durch den Stoff allein so regem Interesse begegnet war. Das Textbuch stammt von Friedrich Kind und ist eine Bearbeitung aus dem Apelschen "Gespensterbuch".

Noch ehe der Vorhang sich auftut, führt uns die Ouvertüre mitten in die Situation hinein. Der Klang der beiden Hörner ruft das Bild des deutschen Waldes in uns wach, da er klingt plötzlich (Klarinetten und Streichertremoli) das Motiv des Verführers Samiel, der Max in fruchtbare Seelenkämpfe verstrickt. Das Toben der Wolfsschlucht bricht los, Agathes Stimme erhebt sich warnend, doch das Böse scheint zu siegen, bis nach jenen berühmten drei Generalpausen die Erlösung durch die aufopferungsreiche Liebe des Weibes in hellstem Jubel verkündet wird.

Der erste Akt, der mit der fröhlichen Bauernkirmes einsetzt, führt uns Maxens Seelenzustand vor Augen, der zweite zeigt uns die beiden Frauengestalten, Agathe und Annchen, in ihren verschiedenen Charakteren (Annchen "Kommt ein schlanker Bursch gegangen", Agathes Arie und Gebet "Wie nahte mir der Schlummer").

Zu den genialsten Stellen der Partitur gehört dann die Wolfschluchtszene, die in ihrer realistischen Ausmalung des Gespensterhaften ihres gleichen sucht.

Dem "Freischütz" gegenüber haben die anderen dramatischen Werke Webers einen schweren Stand. "Euryanthe", die einzige "durchkomponierte" Oper, ist durch die Unmöglichkeit ihres Textbuches nicht lebensfähig gewesen, doch ist die Ouvertüre ein viel gespieltes Orchesterstück geblieben. Der "Oberon" entspricht in der Form, wie er uns überliefert ist, nicht vollkommen der Absicht des Komponisten, der durch seinen schnellen Tod an der geplanten "eigentlichen Ausführung" verhindert wurde. Wiederum ist auch hier die Ouvertüre ein wundervolles poetisches Tonstück (Hüons "Hornmotiv", "Elfenmotiv").

Carl Maria Weber war auch ein glänzender Pianist, der in seinen Werken den Klavierstil besonders nach der Seite des Virtuosenhaften hin weiterentwickelt hat. Er selbst hatte sehr lange und schlanke Finger, die es ihm ermöglichten, weite Griffe und kühne Sprünge auszuführen. Seine Hauptwerke sind: 4 Sonaten, 2 Konzerte, Polacca brillante, Rondo brillant, und die schwungvolle "Aufforderung zum Tanz".