Ignaz Franz

Ignaz Franz wurde am 12. Oktober 1719 in Protzan bei Frankenstein (Schlesien) geboren und besuchte zunächst das Jesuitengymnasium in Glatz. Anschließend studierte er in Breslau Philosophie und katholische Theologie. Nach erfolgreich Studienabschluss und der obligaten Vorbereitungszeit empfing er 1742 in Ölmütz (Mähren) als Dreiundzwanzigjähriger durch Fürstbischof Philipp Ludwig von Sinzendorf die Priesterweihe und wurde als Kaplan nach Groß-Glogau geschickt. Im gleichen Jahr unternahm Franz eine Reise nach Rom.

Nach seiner Kaplanszeit in Groß-Glogau wurde Ignaz Franz 1753 zum Erzpriester ernannt und erhielt in Schlawa eine Pfarrstelle.

Im Jahre 1766 holte Graf Philipp Gotthard von Schaffgotsch Ignaz Franz zurück nach Breslau. Ihm wurde die Inspektion in den drei Archipresbiteriaten Schwiebus, Guhrau und Schlawa, und 1771 das Rektorat des Alumnats (Regens des Priesterseminars) in Breslau übertragen.

Zugleich wurde er Assessor für theologische Angelegenheiten des fürstbischöflichen Vikariats. Ab 1778 war Ignaz Franz auch Direktor der Hauptschulen und des Seminariums sowie Inspektor der Trivialschulen in Breslau.

Als Rektor des Alumnats genoß er [Franz] die Achtung und Liebe seiner Obern, der ganzen Diözese und vorzüglich seiner Alumnen. Er liebte diese als ihr väterlicher Freund, behauptete sich auf der Mittelstraße zwischen übertriebener Strenge und Nachsicht und that alles, was in seinen Kräften und nach der Verfassung des Instituts möglich war, um sie zu würdigen Seelsorgern zu bilden. Als Schulen-Direktor lag ihm die Prüfung der Kandidaten zu Schulämtern und der religiöse Unterricht ob. Diesen behandelte er als Sache des Verstandes. Er, der als Gesellschafter lakonisch war, wußte sich den Kleinen verständlich zu machen, und seiner Lehre durch die viele Liebe, die er für sie äußerte, den Eingang zu erleichtern. Als Verbesser des katholischen Kirchengesanges, verdient er unsre größte Achtung. (In "Die Tonkünstler Schlesiens", Breslau 1830, Seite 117)

Am 19. August 1790 starb Ignaz Franz, acht Wochen vor seinem 71. Geburtstag, in Breslau.

Als Seelsorger war Ignaz Franz dem Geist der katholischen Aufklärung verpflichtet und stellte seine Dichtkunst, dem Vorbild Christian Fürchtegott Gellerts folgend, in den Dienst der moralischen Unterweisung seiner Schüle rund Untergebenen. Für den katechetischen und liturgischen Gebrauch stellte Franz zwischen 1766 und 1778 mehre Gesangsbücher zusammen, die vorwiegend seine eignen Lieddichtungen enthielten. Insgesamt verfasste Ignaz Franz ungefähr 350 Lieder. Das bekannteste Kirchenlied von Ignaz Franz ist der dem "Te Deum" des 4. Jahrhunderts nachempfundene Lobgesang" Großer Gott, wir loben dich", das zum Glaubenslied der deutschen Katholiken in der Zeit der Verfolgungen wurde. Der Text hat im Original 12 Strophen und wurde erstmal 1766 im Gesangbuch "Christlich-katholische Lehre in Liedern; das ist: Katechetische Gesänge zum Gebrauche der Saganischen Schulen" gedruckt.

Später fand das katholische Lied Eingang in die evangelischen Gesangsbücher und gilt bis heute als einer der bedeutendsten ökumenischen Gesänge.