Auf, wackre Jäger

Ludwig von Wildungen

Musiknoten zum Lied Auf, wackre Jäger

Liedtext

Auf, wackre Jäger,
lagert euch am hohen Tannenhügel!
und schenkt euch ein und jauchzt und trinkt
so lange noch ein Sternchen blinkt,
denn ach! die Zeit hat Flügel!

Trinkt, trinkt die Jubelbecher leer
und Mond und Sterne nieder!
O, tränken alle Menschen so,
so wären alle Menschen froh!
so wären alle Brüder.

Ha, seht die in Palästen dort!
ob sie wohl trinken können;
sie zittern euch bei jedem Zug,
als tat der helle Bürgerfluch
sie auf den Zungen brennen.

Hat auch ein Kraftmann frei und froh
den Becher mal geschwungen,
sieht er sich schüchtern um beim Zug,
als tat der helle Bürgerfluch
ihn brennen auf der Zungen.

Und der verfluchte Judaskuß
dort auf beperlten Lippen -
sie küssen sich und stießen doch,
die gift'gen Dolche lieber noch
einander in die Rippen.

Auf jeder Lippe schwebt das Herz,
wenn wir einander küssen,
und jeden, der's vertragen kann,
seh'n wir mit offnen Augen an;
das macht ein gut Gewissen.

Trinkt, trinkt! Der Wein hat Götterkraft
so gut und wundertätig!
Trinkt, trinkt! Was geht das Volk uns an,
das nicht mit Jägern trinken kann?
Gott sei den Sündern gnädig!

Trinkt, Brüder! trinkt! Die Zeit entflieht
schnell wie der Pfeil vom Bogen.
Schielt dort das Morgenrot herauf,
so suchen wir den Festhirsch auf,
der gestern uns betrogen.

Und müssen wir den ganzen Tag
im Sonnenbrande dürsten,
so finden wir doch spiegelhell
vielleicht am Abend einen Quell
und neiden einen Fürsten.

Doch wer ein braver Jäger ist,
der nimmt, was ihm beschieden;
und wer ein gut Gewissen hat,
der trinkt sich auch im Wasser satt
und, wie in Wein, zufrieden.