O Täler weit, o Höhen

Joseph von Eichendorff (1810)

Musiknoten zum Lied O Täler weit, o Höhen

Liedtext

O Täler weit, o Höhen,
o schöner grüner Wald,
du meiner Lust und Wehen
andächtger Aufenthalt.
Da draußen, stets betrogen,
saust die geschäft'ge Welt:
Schlag noch einmal die Bogen
um mich, du grünes Zelt;
Schlag noch einmal die Bogen
um mich, du grünes Zelt.

Im Walde steht geschrieben
ein stilles ernstes Wort
von rechten Tun und Lieben,
und was der Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
die Worte schlicht und wahr,
und durch mein ganzes Wesen
wards unaussprechlich klar.

Bald werd' ich dich verlassen,
fremd in die Fremde gehn,
auf buntbewegten Gassen
des Lebens Schauspiel sehn,
und mitten in dem Leben
wird deines Ernst's Gewalt
mich Einsamen erheben:
So wird mein Herz nicht alt.

Wenn es beginnt zu tagen,
die Erde dampft und blinkt,
die Vögel lustig schlagen,
daß dir dein Herz erklingt:
das trübe Erdenleid,
da sollst du auferstehen
in junger Herrlichkeit.