Hinaus in die Ferne

Albert Methfessel (1813)

Musiknoten zum Lied Hinaus in die Ferne

Liedtext

Hinaus in die Ferne mit lautem Hörnerklang,
die Stimmen erhebet zum männlichen Gesang.
Der Freiheit Hauch weht kräftig durch die Welt,
ein freies, frohes Leben uns wohl gefällt.

Wir halten zusammen, wie treue Brüder tun,
wenn Tod uns umtobet und wenn die Waffen ruhn:
Uns alle treibet ein reiner, freier Sinn,
nach einem Ziele streben wir alle hin.

Der Hauptmann, er lebe! Er geht uns kühn voran:
Wir folgen ihm mutig auf blutger Siegesbahn.
Er führt uns jetzt zu Kampf und Sieg hinaus,
er führt uns einst, ihr Brüder, ins Vaterhaus.

Wer wollte wohl zittern vor Tod und vor Gefahr?
Vor Feigheit und Schande erbleichet unsre Schar!
Und wer den Tod im heil'gen Kampfe fand,
ruht auch in fremder Erde im Vaterland.

Während der Befreiungskriege gegen die Herrschaft Napoleons verfasste Anfang 1813 der Komponist und Dirigent Albert Methfessel (1785 - 1869) dieses Marschlied. Er war zu der Zeit Kammersänger am Hoftheater in Rudolstadt.

Als Napoleon und seine Restarmee geschlagen aus Russland zurückkehrten, schlossen Preußen und Russland ein Bündnis, dem sich später Schweden und Österreich anschlossen. Da es noch keine Wehrpflicht gab, wurden zusätzlich zu den bestehenden Heeren viele Soldaten mit mehr oder weniger Zwang rekrutiert und Freiwillige angeworben. Methfessel wollte seinen Teil dazu beitragen und schuf für den Fürsten von Schwarzberg-Rudolstadt das Anwerbungslied Hinaus in die Ferne. Berichtet wird, dass der Komponist mit einer Gitarre singend den Zug der Freiwilligen aus Rudolstadt angeführt hat.

Bereits 1812 hatte Methfessel das Vaterlandslied Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte des bedeutendsten Lyrikers der Freiheitsepoche Ernst Moritz Arndt (1769 - 1813) vertont. Bei dem Text von Hinaus in die Ferne hat sich Methfessel durch Theodor Körners (1791 - 1813) Das ist Lützows, wilde, verwegene Jagd und durch Arndts Freiheits- und Vaterlandsgedichte anregen lassen.

Melodie und Text

Die Melodie weist einen 4/4-Takt auf, nach dem sich sehr gut marschieren lässt. Der Auftakt wirkt wie das Signal einer Fanfare oder Trompete, das die Marschierenden mitreißen und veranlassen soll, "in die Ferne" - und das heißt hier in den Krieg - zu ziehen. Was sich hier in der ersten Strophe wie ein Wanderlied anhört, erweist sich in den folgenden Strophen als Soldatenlied.

Ermuntert werden die jungen Männer durch die Verheißung, dass die Freiheit gegen die Fremdherrschaft Napoleons zu erringen ist: "ein Hauch von Freiheit weht kräftig durch die Welt".

In der zweiten Strophe wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt: "wir halten zusammen, wie treue Brüder tun", egal, ob gekämpft wird oder eine Kampfpause herrscht. Dass man auch selber getötet werden kann, davon ist hier nur indirekt die Rede: "wenn der Tod uns umtobt". Aber unabhängig davon, es geht ja um ein hehres Ziel, nämlich die Freiheit zu erringen.

Und beispielhaft geht der "Hauptmann kühn voran", der sicherlich wie viele Soldaten darauf vertraut: "eine jede Kugel, die trifft ja nicht", wie es in einem anderen Lied heißt. Und so folgt man dem Hauptmann, der die Soldaten zum Sieg führen wird, in diesem Fall tatsächlich zum Sieg in der Völkerschlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813 bei Leipzig.

Doch bis zum Sieg ist es noch hin; es wird nicht verschwiegen, dass "Tod und Gefahr" nahe sind. Doch wer will angesichts der näher kommenden Freiheit da feige sein. Und denen, die getötet werden, wird Trost gespendet. Ihnen wird gesagt, sie fallen "im heil’gen Kampf", und es wird ihnen versichert, dass sie wie im Vaterland ruhen würden, selbst wenn sie "in fremder Erde" begraben werden müssten.

Rezeption

In den Befreiungskriegen wurde das Lied mündlich oder auf Flugblättern weitergetragen. Doch richtig populär wurde es nach seiner Veröffentlichung als Beilage der Zeitung für die elegante Welt (Leipzig, 31. März 1814) und nach der Aufnahme in zahlreiche Gebrauchsliederbücher. Nachdem es mit den beiden ersten Strophen von der Jugendbewegung als Wanderlied gesungen wurde, setzte sich seine Beliebtheit im 20. Jahrhundert fort.

Im Ersten Weltkrieg wurde nach der Melodie von Hinaus in die Ferne allerdings ein anderer Text gesungen, der seit 1916 vor allem an der Westfront verbreitet war (Der Große Steinitz II, S. 341):

Wir kämpfen nicht fürs Vaterland,
wir kämpfen nicht für Gott.
Wir kämpfen für die reichen Leut',
die Armen schießt man tot.

In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhundert, war auf Klassenausflügen oft die parodistische Strophe "Hinaus in die Ferne mit Butterbrot und Speck" zu hören; ein Text, der bereits im 19.Jahrhundert in Kreisen der Burschenschaftler bekannt war:

Hinaus in die Ferne
mit Butterbrot und Speck.
Das mag ich ja so gern,
da nimmt mir keiner weg.
Und wer das tut,
dem hau' ich auf die Schnut’,
Dem hau' ich auf die Nase,
dass sie blut'.

Georg Nagel, 15. August 2016