Gib, blanker Bruder, gib uns Wein

Ludwig Gericke

Musiknoten zum Lied Gib, blanker Bruder, gib uns Wein

Liedtext

Gib, blanker Bruder, gib uns Wein,
und laß' die Hand besehn,
so wollen wir dir prophezein,
was sicher wird geschehn,
was sicher wird geschehn.

Merk' auf, es ist ein hohes Wort
und liegt viel Wahrheit drin:
Sind vierundzwanzig Stunden fort,
so ist ein Tag dahin.

Sobald es Nacht geworden ist,
sind alle Katzen grau,
und wenn der Mann sein' Gattin küßt,
so küßt er seine Frau.

Ein jedes Paar, das taufen ließ,
kennt sich neun Monden schon;
und wen man nach dem Vater hieß,
der war des Vaters Sohn.

So oft man viele Trauben liest,
gerät die Lese gut;
und wer der Frau Pantoffel küßt,
der hat nicht mehr den Hut.

Der dich um eine Wohltat bat,
der war ein armer Tropf:
Und wer den ganzen Ochsen hat,
hat auch den Ochsenkopf.

Wer vor der Nadelspitze flieht,
bleibt nicht vor Degen stehn,
und wer dem Affen ähnlich sieht,
ist nie besonders schön.

Wer Heu genug im Stalle hat,
dem wird die Kuh nicht mager,
und wer 'ne schöne Schwester hat,
der kriegt bald einen Schwager.

Wenn du zum Spiegel dich bemühst,
zeigt sich der erste Tor:
der zweite, der nicht sichtbar ist,
steht mehrenteils davor.