Volkslieder Kinderlieder

Eine Seefahrt, die ist lustig

Volkslied

Musiknoten zum Lied Eine Seefahrt, die ist lustig

Liedtext

Eine Seefahrt, die ist lustig,
eine Seefahrt, die ist schön,
ja da kann man manche Leute
an der Reling spucken seh'n.
|: Holahi, holaho, holahia, hia, hia, holaho! :|

Unser Käptn ist stets nüchtern,
und er mag auch keinen Rum,
bei den Frauen ist er schüchtern,
na, das ist doch wirklich dumm.
|: Holahi, holaho, holahia, hia, hia, holaho! :|

Und die Möwen, froh und heiter,
kleckern öfter was auf's Deck,
doch der Moses nimmt den Schrubber
und fegt alles wieder weg.
|: Holahi, holaho, holahia, hia, hia, holaho! :|

Kommt das Schiff mal in den Hafen,
geht die Mannschaft schnell an Land,
keiner will an Bord mehr schlafen,
na, das ist doch wohlbekannt.
|: Holahi, holaho, holahia, hia, hia, holaho! :|

Karaoke

Weitere

Kinderlieder

Melodie und Text von Eine Seefahrt, die ist lustig gehen auf ein altes Seemannslied zurück, das vermutlich um die Jahrhundertwende 1900/2000 entstanden ist. Auf Grund der eingängigen Melodie fügten Seeleute und andere Texter, die am Lied Gefallen gefunden hatten, immer wieder neue Strophen hinzu. So enthalten die Liederbücher von 4 bis 14 Strophen. Hier sollen die im Lieder-Archiv veröffentlichten vier Strophen betrachtet werden.

Dieser ersten Strophe kann man nicht entnehmen, dass das Lied ein Scherzlied sein soll. Es wird lapidar behauptet: eine Seefahrt sei lustig und schön. Offensichtlich handelt es sich nicht um eine Fahrt auf einem Binnensee oder zu nahegelegenen Inseln, sondern um eine größere Reise: »denn da kann man fremde Länder sehn«. Was man »noch manches andre sehn« kann, wird nicht näher beschrieben.

Ob die Aussage: »unser Käpt’n ist stets nüchtern« wohlwollend ist, muss offen bleiben. Tatsache ist, dass es nach dem Motto »Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps« für die Crew verboten ist, während einer Seefahrt Alkohol zu trinken. Nicht ganz glaubhaft ist jedoch, dass der Käpt’n keinen Rum mag - welcher Seebär mag keinen Rum? - und wenn nicht pur, dann doch wenigstens als Grog, d.h. Tee mit Rum. Verständlich aber, dass die Crew es bedauerlich (»wirklich dumm«) findet, dass ihr Käpt‘n bei den Frauen schüchtern ist.

Dann wird beschreiben, dass die Möwen des öfteren etwas auf Decks »kleckern«; andere Textversionen sind da deutlicher, da scheissen – oder etwas feiner: schieten - die Möwen (ausgerechnet) auf das frisch gewaschene Deck. Doch das ist nun einmal so, und dann wird der der Schiffsjunge (der Moses) angewiesen, das Deck zu reinigen.

Wird nach einer langen Tour (endlich) ein Hafen angelaufen, freuen sich bis auf die eingeteilte Bordwache alle Seeleute auf den Landgang. Und nicht nur das: »keiner will mehr an Bord schlafen«. Wo die Seemänner schlafen, wird nicht ausgeführt, da »das doch wohlbekannt« sei. Es bleibt der Fantasie der Leser oder Hörer des Liedes überlassen, wo (und mit wem) sie die Nacht verbringen.

Rezeption

Obwohl das Lied eifrig gesungen wurde und Seeleuten und andere Verfasser immer neue Texte hinzufügten, erschien Eine Seefahr, die ist lustig erst 1934 in dem Liederbuch »Der Kilometerstein - Klotzlieder« mit neun Strophen; die 5. Auflage 1937enthielt dann bereits 14 Strophen, die in hoher Auflage erschienene Feldpostausgabe präsentierte ebenfalls 14 Strophen.

Bereits 1934/35 sang die jugendliche Isa Vermehren, begleitet von ihrem Schifferklavier (Akkordeon) Seemannslieder in dem von Werner Finck geleiteten Berliner Kabarett »Die Katakombe«. Ihren größten Erfolg hatte sie mit ihrer parodistischen Version von Eine Seefahrt, die ist lustig, indem sie indirekt Nazi-Größen karikierte. Ihren Vers

Unser Erster auf der Brücke
ist ein Kerl Dreikäsehoch,
aber eine Schnauze hat er,
wie 'ne Ankerklüse hoch

verstand das Publikum als Anspielung auf den Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. 1935 wurde die Katakombe auf Betreiben von Goebbels von der Geheimen Staatspolizei geschlossen. Finck kam in ein Konzentrationslager, wurde aber auf Veranlassung von Göring, der damit Goebbels treffen wollte, nach kurzer Zeit wieder entlassen.

Die von Telefunken veröffentlichte Schallplatte Eine Seefahrt, die ist lustig mit Isa Vermehren wurde ein Kassenschlager.

Auf Grund der Beliebtheit des Liedes diente Eine Seefahrt, die ist lustig auch als Titel eines 1955 produzierten Films mit Ida Wüst und Fritz Henckels. Mit dem Inhalt der Strophen hattte der Film wenig zu tun; den Produzenten ging es wohl nur um einen zugkräftigen Titel.

Bei den Naziorganisationen war das Schifferlied nicht besonders populär. Von der fränkischen und württembergischen Hitlerjugend abgesehen, erschien Eine Seefahrt in keinem Nazi-Liederbuch. Auch von Nicht-Nazi-Verlagen wurde es nur selten verlegt.

In Österreich dagegen wurde die 1944 herausgegebene Liedersammlung Lach’n oder rer’n (rer’n von rean = weinen) recht bekannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es bis 1949 bis das Taschenbuch Die Drehorgel - Ein Liederbuch für fröhliche Kreise herauskam; danach brachten kleinere und größere Verlage Liedersammlungen mit dem Lied heraus. Von denen mit höheren Auflagen soll hier nur das Taschenbuch des Franz Schneider Verlags Spaß- und Quatschlieder (1981) und Deutscher Liederschatz (1988) des Weltbild Verlags erwähnt werden.

Bemerkenswert ist die Anzahl der Partituren für Männer- (vorwiegend Shantychöre) und Kinderchöre, für Klavier und speziell für Akkordeon, wie sie Online Archive und vor allem das Deutsche Musikarchiv Leipzig (DMA) ausweisen. Mit knapp 50 Tonträgern steht Eine Seefahrt, die ist lustig von den im DMA-Katalog aufgeführten Scherzliedern nach Auf der schwäbschen Eisebahne und Mein Hut, der hat drei Ecken in seiner Beliebtheit auf dem dritten Rang.

Georg Nagel, 1. Juli 2017