Ein Mägdlein saß im grünen Hag

R. Winchenbach

Musiknoten zum Lied Ein Mägdlein saß im grünen Hag

Liedtext

Ein Mägdlein saß im grünen Hag,
ihr Schoß voll wilder Rosen
davon wand sie ein Kränzelein
sich in ihr golden Haar hinein
und sang von Glück und Liebe.

Die Vöglein all' im grünen Wald
geflogen kamen alsobald
und stimmten jubilierend ein,
die Sonne lachte hell darein,
es lauschten rings die Bäume.

Da fiel ein Schuß; aus war der Sang,
herbei ein flüchtig Rehlein sprang,
das barg sich traut in Mägdleins Schoß,
und, sprechend mit den Lichtern bloß,
fleht' es: "Ach, schütz' mein Leben!"

Und als der junge Jäger kam,
sie in den Arm das Böckchen nahm;
ihr Mund, der bat so innig warm:
"O liebster Jäger, hab' Erbarm'
und tu' ihm nichts zu leide!"

Da rief der Knabe lachend:
"Nein, fortan mag's dein Gespiele sein,
wenn mich zum Dank dafür zur Stund'
wohl herzt und küßt dein roter Mund
allhier auf stiller Heide!"

Die Maid kein Sterbenswörtchen sprach,
sah ihres Schützlings Weh und Ach, -
da schlang sie schnell in Glut und Scham
den Arm um ihn gar wonnesam
und herzt' und küßt' den Knaben.

Das Reh entsprang mit flucht'gem Satz;
er aber jauchzt: "Juchhe, mein Schatz!
dich laß' ich nicht so von der Stell'"-:
O weh, die Maid entwand sich schnell,
fiel auch ihr Kranz zu Boden.

Und eh' der Schelm sich recht besann,
war sie entschlüpft im dichten Tann,
draus tönt es neckend noch zurück:
"Herr Jäger, flüchtig ist das Glück!
habt ihr's, müßt fest es halten!"