Ein Lied in Ehren

Johann Peter Hebel

Musiknoten zum Lied Ein Lied in Ehren

Liedtext

Ein Lied in Ehren,
wer will's verwehren?
Singt's Vöglein nicht im Blütenkranz
und Engel nicht im Sternenglanz?
Ein guter froher Mut,
ein frisches leichtes Blut,
geht über Geld und Gut

Ein Trunk in Ehren:
Wer will's verwehren?
Trinkt's Blümlein nicht den Morgentau?
und wächst die Traube denn zur Schau?
Nein, wer am Werktag schafft,
dem bringt der Rebensaft
am Sonntag neue Kraft.

Ein Kuß in Ehren:
Wer will's verwehren?
Küßt's Blümlein nicht sein Schwesterlein,
und's Sternlein küßt sein Nachbarlein?
Ich sag', in Ehrbarkeit,
mit Unschuld zum Geleit,
und Zucht und Sittsamkeit.

Ein frohes Stündchen,
ist's nicht ein Fündchen?
Jetzt haben wir's, jetzt sind wir da;
doch kommt's vielleicht bald anders ja!
'S währt Alles kurze Zeit,
der Kirchhof ist nicht weit,
und's Grab gar bald bereit!

Das Leben endet,
bald ist's vollendet!
O geb' uns Gott 'nen sanften Tod!
Ein gut Gewissen geb' uns Gott,
wenn's Leben heiter lacht,
wenn alles blitzt und kracht
und in der letzten Nacht.