Ein feste Burg ist unser Gott

Martin Luther (1528)

Musiknoten zum Lied Ein feste Burg ist unser Gott

Liedtext

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst
ers jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit' für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten.

Und wenn die Welt voll Teufel wär,
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir und nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie saur er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht':
Ein Wörtlein kann ihn fällen.

Das Wort sie sollen lassen stahn
und kein' Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan
mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib:
Laß fahren dahin,
sie habens kein' Gewinn,
das Reich muß uns doch bleiben.

Eine feste Burg ist unser Gott ist eines der bekanntesten protestantischen Lieder, wenn nicht gar das bekannteste. Den Text verfasste Martin Luther vermutlich zwischen 1521 und 1529. Wer die Melodie schuf, ist unbekannt. Aufgrund seiner eigenhändigen Niederschrift zusammen mit weiteren 138 liturgischen Stücken wird oft Johann Walter, Kantor und Freund Luthers, als Komponist genannt; doch auch seine Urheberschaft ist nicht gesichert.

Erstmals gedruckt wurde das Lied 1529 im Klugschen Gesangbuch, das in Wittenberg erschien.

Bereits im Laufe des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Luthers Choral zum Reformationslied und die ursprüngliche Intention als Psalm-Lied verblasste zusehends. Eine feste Burg ist unser Gott avancierte zum protestantischen Bekenntnislied. Als "Marseiller Hymne der Reformation" bezeichnete es 1834 Heinrich Heine in seiner Schrift zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, als ein Identifikationslied aller Protestanten.

Ablesen lässt sich die Bedeutung des Liedes auch an der schier unüberschaubaren Anzahl der musikalischen Bearbeitungen und auch Umdichtungen. Einen der frühen hymnischen Chorsätze komponierte der Thüringer Johannes Eccard (1553-1611). Johann Sebastian Bach befasste sich gleich zweimal mit Eine feste Burg ist unser Gott: Neben einer Choralkantate zum Reformationsfest (BWV 80) schuf er auch eine Orgelbearbeitung (BWV 720). 1830 griff Felix Mendelssohn Bartholdy zur 300-Jahr-Feier der Augsburger Konfession im Finalsatz seiner Reformationssymphonie auf Luthers Choralweise zurück. Weitere Bearbeitungen stammen von Otto Nicolai (1836) dessen Kirchliche Festouvertüre über den Choral 'Eine feste Burg ist unser Gott' 1852 von Franz Liszt für Orgel bearbeitet wurde.

Bereits aus dem 19. Jahrhundert sind auch zahlreiche weltliche Umdichtungen und Parodien belegt. So fand es Verwendung im deutsch-französischen Krieg 1870/71. Für das Soldatenliederbuch (1870) dichtete Ernst Lausch:

Ein' feste Burg ist unser Gott,
Ein' gute Wehr und Waffen;
Und ob ein Heer von Teufeln droht,
Weiß er doch Sieg zu schaffen.
O, Herr, zur frischen That
Gieb du uns selber Rath;
Erfülle uns mit Muth,
Daß wir für Ehr' und Gut
Siegreich im Felde streiten!

Mit deiner Hülfe wollen wir
Auf Tod und Leben ringen;
Zu deiner Ehre wollen wir
Den Erbfeind niederzwingen,
Bis er um Gnade fleht,
Und Deutschland glänzend steht!
So ende, Herr, den Krieg
Mit Ruhm und Ehr' und Sieg,
Und schenk' uns ew'gen Frieden!

Während der Revolution 1848/49 wurde das Lied parodiert und später sang die Arbeiterbewegung "Eine feste Burg ist unser Bund". Seitdem wurde es für unzählige Zwecke missbraucht und parodiert.

Im evangelischen Gesangsbuch hat es bis heute seinen festen Platz, ebenso im musikalischen (lutherischen) Kirchenjahr, wo Eine feste Burg ist unser Gott dem 1. Sonntag der Passionszeit Invokavit als Wochenlied zugeordnet ist.

Der Psalm 46

Martin Luther dichtete sein Lied Eine feste Burg ist unser Gott mit Bezug auf den Psalm 46, einer der großen Vertrauenspsalmen der Bibel. Doch von Vertrauen ist dort zunächst nicht die Rede. In Psalm 46 heißt es vielmehr (hier in der Einheitsübersetzung):

Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt, wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres, wenn seine Wasserwogen tosen und schäumen und vor seinem Ungestüm die Berge erzittern.

Und es wird auch sogleich der Grund für das Vertrauen geliefert mit "Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsre Burg."

Da ist die Rede von allerlei Katastrophen, die uns treffen können. Und dennoch beginnt der Psalm 46 mit:

Gott ist uns Zuflucht und Stärke,
ein bewährter Helfer in allen Nöten.

Dreimal greift der Psalm das Motiv der Burg, der Festung, auf. Gott soll und kann unsere Festung sein. Das ist die Kernaussage des Psalm 46.

Auch Luthers stellt in seinem Choral Gottes Macht und Schutz den feindlichen Mächten gegenüber und spricht auch gleich in Strophe den Teufel, ohne diesen direkt zu benennen, von "der alt böse Feind", der uns versucht, und stellt ihm in Strophe zwei Jesus Christ entgegen. Gegen ihn ist der "Fürst dieser Welt", wie es in Strophe drei heißt, machtlos, denn das Reich Gottes ist die wahre Welt - und unser Glaube unsere stärkste Waffe gegen das Böse. Denn Gott beschützt uns auf Ewigkeit, er ist unsere Burg, die es zu erreichen gilt.

Nicht zuletzt diese Metapher brachte Heinrich Heine dazu, dieses protestantische Bekenntnislied als Marseiller Hymne der Reformation zu bezeichnen. Luthers indirekte Kampfansage an seine theologischen Gegner lautet: Folgt der Reformationsbewegung - und ihr erreichst die sichere Festung, den Schutz für die Ewigkeit, in und durch Gott.

Doch dafür braucht es Vertrauen, Vertrauen in Gott. Denn das Leben ist eine Kette der Versuchungen und Anfechtungen. Und flogen wir Martin Luther reformatorische Theologie, so finden wir nur aus der Anfechtung zu Gott. Wir sollen allen Versuchungen widerstehen und dabei auf Gott vertrauen, denn "eine feste Burg ist unser Gott", eine Burg auf die wir vertrauen können.