Der wilde Wassermann

(Es freit ein wilder Wassermann)

Volkslied (18.Jh.)

Das Volkslied aus dem 18.Jahrhundert entstand vermutlich an der Nordsee-Küste. Ähnliche Lieder über die Wassermann-Sage sind aber an allen Küsten- und Seegebieten des deutschen Sprachraums verbreitet.

Volksweise (18.Jh.)

Musiknoten zum Lied Der wilde Wassermann

Liedtext

Es freit ein wilder Wassermann
von dem Berg bis über die See,
er freit nach Königs Töchterlein,
der schönen Dorothee.

Er ließ eine Brücke von Golde baun,
darauf sollt sie spazierengehn,
die schöne Dorothee.

Darüber tat sie manchen Gang,
bis dass sie in das Wasser sank,
die schöne Dorothee.

In dem Wasser, da lebt sie sieben Jahr,
bis dass sie sieben Söhne gebar,
die schone Dorothee.

Drei gehörten dem wilden Wassermann,
vier gehörten dem König aus Engeland,
von der schönen Dorothee.

Sie hörte die Glöcken von Engeland läuten,
dahin wollt sie zur Kirche gehn,
die schöne Dorothee.

Und als sie in die Kirche kam,
da neigt sich alles, was drinnen war,
vor der schönen Dorothee.
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Und als sie aus der Kirche kam,
da stand der wilde Wassermann
vor der schönen Dorothee.

"Willst du mit mir unter das Wasser gahn,
oder willst du dein Leben auf dem Kirchhof lan,
du schöne Dorothee?"

Eh ich mit dir unters Wasser geh,
viel lieber will ich dir mein Leb'n geb'n",
sprach die schöne Dorothee.

Da zog er aus sein blankes Schwert,
und hieb ihr's Häuptlein zu der Erd,
der schönen Dorothee.

Und wo ein' Tröpflein Blut hinsprang,
da standen drei Engelein mit Gesang
vor der schönen Dorothee.