Der schlechte Vater

Volkslied

Die Gedichte vom Vater, der seinen einzigen Sohn verspielt, ist in ähnlichen Textvariationen über das ganze deutsche Sprachgebiet verbreitet. Die hier verwendete Fassung stammt aus Schlesien.

Musiknoten zum Lied Der schlechte Vater

Liedtext

Es ritt ein Herr zum kühlen Wein,
verspielt sein einziges Söhnelein.

Und wie er nun nach Hause kam,
sein einziger Sohn ihm entgegen kam.

"Ach Vater, lieber Vater mein,
was bringt ihr mit vom kühlen Wein?"

"Ich bring' dir mit ein neues Ross
darauf du noch nie geritten hast."

Reit hin, reit hin zur Nätherin
Und lass dir machen ein Hemdelein!

Und laß dirs machen wohl in die Weite,
dass du darinnen kannst schreiten;

Und lass dirs machen wohl in die Länge,
dass du darinnen kannst hängen."

Und als der Sohn nach Hause kam,
der ganze Hof voll Reiter war.

Es mocht ihn keiner greifen an,
sein falscher Vater griff ihn selber an.

Es mocht ihn keiner führen hinaus,
sein falscher Vater führt ihn selber hinaus.

Wie weit schritt ihm die Mutter nach?
Sie schritt bis hinter die Pforte nach.
Wie weit schritt ihm die Schwester nach?
Sie schritt bis hinter das Galgengericht.

"Ach Herren, edle Herren mein,
gebt mir mein einziges Brüderlein!"

"Und deinen Bruder den kriegst du nicht,
er muss jetzt hangen am Galgengericht;

Und wenn du dich ziehst nackend aus
Und dreimal um den Galgen laufst."

Und wie das letzte Wort geschah,
die Kleider schon alle unten war'n.

Und wie sie's erstemal 'rum kam,
da fingen alle Frauen zu weinen an.

Und wie sie's zweitemal 'rum kam,
da fingen alle Herren zu weinen an.

Und wie sie's letztemal 'rum kam,
da hießen sie sie stille stahn:

Schließt ab, schließt ab das Kettenband,
und lasst den Knaben wieder in das Land."

Da kam ein grober Edelmann,
der wollte meine Schwester han.
"Meine Schwester die kriegst du nicht,
sie hat mich erlöset vom Galgengericht."