Der geräderte Verführer

(Es ging ein Knab spazieren, spazieren in den Wald)

Volkslied

Musiknoten zum Lied Der geräderte Verführer

Liedtext

Es ging ein Knab spazieren,
spazieren in den Wald.
Da begegnet ihm ein Mägdelein,
war acht zehn Jahre alt,
gar schön war sie gestalt,
gar schön war sie gestalt.

Er nahm das Mädchen gefangen,
gefangen musst du sein;
er zog ihr aus die Kleider
und schlug sie also sehr,
hat ihr genommen die Ehr.

Zu Augsburg in dem Wirtshaus
saß er bei Speis und Trank;
da kam dasselbige Mägdlein,
griff ihm an seine Hand,
schloss ihn in Ketten und Band,

Zu Augsburg auf dem Turme,
wo er gefangen saß,
da kam sein liebste Mutter:
"Mein Sohn, was sitzest du hier?
Mein Sohn, was fehlet dir?"

"Warum ich hier muß sitzen,
das kann ich sagen dir:
Ich hab ein adlig Mädchen
geschlagen also sehr,
gebracht wohl um die Ehr."

"Ach großer Gott vom Himmel,
ist das nicht Schand und Spott,
dass ein so reicher Kaufmannssohn
muss sterben solchen Tod,
der Welt zum Hohn und Spott!"

"Ist denn der Brief schon kommen,
dass ich jetzt sterben muss?
So bestellt mir Ross und Wagen
ich geh nicht mehr zu Fuß
weil ich doch sterben muss!

Ihr lieben Herren von Augsburg
ich hab an euch ein Bitt:
"Den Kirchhof tut mir schenken,
dazu ein seiden Kissen,
darauf gut Ruhen ist."

"Ach Jüngling, liebster Jüngling,
das geht nicht bei der Stadt;
dein Kopf gehört dem Galgen,
dein Leib gehört aufs Rad,
weil du's verschuldet hast."