Das Störtebecker-Lied

(Störtebecker und Gödeke Michael)

Volkslied

Die Seeräuber Klaus Störtebecker und Michael Gödeke gab es tatsächlich. Sie wurden, wie das Lied erzählt, im Jahr 1402 gefangen und enthauptet. Das Lied über die beiden Seeräuber gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Seefahrer- und Volksliedern der vergangenen Jahrhunderte.

Musiknoten zum Lied Das Störtebecker-Lied

Liedtext

Störtebecker und Gödeke Michael,
die raubten beide zum gleichen Teil,
zu Wasser und auch zu Lande.
Bis daß es Gott im Himmel verdroß,
des mußten sie leiden große Schande.

Störtebecker sprach sich allzuhand:
"Die Wester-See ist mir wohl bekannt
viel Geld will ich uns holen;
die reichen Kaufleut von Hamburg
sollen uns das Gelag bezahlen."

Und das erhört ein schneller Bot',
der was von einem klugen Rat,
kam gen Hamburg eingelaufen;
er fragt nach des ältest Bürgermeisters Haus,
den fand er dann zu Hausen.

"Mein' lieben Herren all durch Gott,
nehmt diese Red' auf ohne Spott,
die ich euch will verkünden:
Die Feind liegen euch gar nahe hierbei,
sie liegen am wilden Hafen."

Der älteste Bürgermeister sprach zuhand;
"Gut Gesell, du bist uns unbekannt,
wobei soll'n wir dir glauben?"
"Das sollt ihr edle Herren tun
bei meinem Eid und Treuen.

Ihr sollt mich setzen aufs Kastell,
so lang bis ihr eure Feinde seht,
wohl zu diesen Stunden;
spürt ihr denn einzig Wanken an mir
so senkt mich gar zu dem Grunde."

Die edlen Herren von Hamburg
gingen zu Segel wohl mit der Flut,
hin nach dem neuen Werke;
vor Nebel konnten sie nicht sehen
so dunkel waren die Wolken.

Die Sonn brach durch, die Wolken wurden klar,
sie führen fort und kamen dar,
großen Preis wollten sie erwerben,
Störtebecker und Gödeke Michael
die sollten darum sterben.

Sie brachten die Büchsen wohl an die Bord,
gar viele Schüsse hörte man dort
sie schlugen sich drei Tag und Nacht
da sah man so manchen stolzen Held
der ward nun um sein Leben gebracht.

Störtebecker sprach sich bald:
"Ihr Herren von Hamburg tut uns kein Gewalt.
Wir wollen den Kampf aufgeben,
wollet ihr uns schenken Leib und Gesund,
und fristen unser junges Leben."

"Mein Herr", sprach sie Herr Simon von Utrecht,
"Gebt euch gefangen ganz ohne Recht,
und lasst euch nit verdrießen,
ihr habt viel Seeleut ein Leid getan,
dess' werd't ihr wohl jetzt büßen."

Sie wurden gen Hamburg in die Haft gebracht,
sie saßen da nicht länger als ein Nacht
wohl zu denselben Stunden.
ihr Todesurteil ward sehr beklagt
von Weibern und Jungfrauen.

"Ihr Herren von Hamburg, 'wir bitten nur ein Bitt,
die mag euch zwar beschaden nit
und bringen euch auch kein Schande:
Dass wir mögen zum Scharfrichter hingahn
in unserm besten Gewände."

Die Herrn von Hamburg täten ihn' die Ehr,
sie ließen ihn' Pfeifen und Trommeln vorgehn,
So wie sie es erkoren;
wären sie wieder in der Freiheit gewest,
sie hätten das Leben nit verloren.

Der Scharfrichter hieß sich Rosenfeld,
Er hieb so manchen stolzen Held
mit also freiem Mute;
er stand in seinen geschnürten Schuh'n
bis an die Knöchel im Blute.