Alle Jahre wieder

Wilhelm Hey (1837)

Musiknoten zum Lied Alle Jahre wieder

Liedtext

Alle Jahre wieder
kommt das Christuskind
auf die Erde nieder,
wo wir Menschen sind.

Kehrt mit seinem Segen
ein in jedes Haus,
geht auf allen Wegen
mit uns ein und aus.

Ist auch mir zur Seite
still und unerkannt,
daß es treu mich leite
an der lieben Hand.

Karaoke

Alle Jahre wieder ist eines der bekanntesten deutschsprachigen Weihnachtslieder. Wilhelm Hey (1789-1854), ein deutscher Pfarrer, Lied- und Fabeldichter, aus dessen Feder auch das Kinderlied Weißt du, wie viel Sternlein stehen stammt, dichtete den Text 1837.

Dieses Lied wurden auf verschiedene Melodien gesungen, unter anderem Kompositionen von Christian Heinrich Rinck und Ernst Anschütz. Die heute bekannte volkstümliche Melodie wird dem Komponisten und Musikpädagogen Friedrich Silcher (1789-1860) zugeschrieben. Silcher veröffentlichte das Lied 1842 in seinem Liederzyklus Zwölf Kinderlieder aus dem Anhange des Speckter’schen Fabelbuches.

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand Alle Jahre wieder weite Verbreitung. Im 20. Jahrhundert wurde es eines der am häufigsten gedruckten und gesungenen deutschen Weihnachtslieder, das sich vor allem an Kinder richtet. Es wird bereits im Kindergarten gesungen und ist auch in den meisten Kinderliederbüchern enthalten.

Das Deutsche Musikarchiv weist knapp 1.100 Notendrucke nach. In 328 Bücher und auf 730 Tonträgern ist Alle Jahre wieder enthalten. YouTube liefert über 97.000 Videos zum Lied. Stand: Dezember 2016.

Auch in den Umfragen und Statistiken der beliebtesten Weihnachtslieder der letzten Jahre landete Alle Jahre wieder regelmäßig unter den ersten 10.

Dabei ist der Inhalt des Liedes recht schnell erzählt: "Alle Jahre wieder kommt das Christuskind". In schlichten Worten wird uns gesagt, dass das Christuskind mit seinem Segen einkehrt in jedes Haus und auch den Sängern zur Seite steht und an "der lieben Hand" leitet.

Allerdings, Alle Jahre wieder als "unscheinbares Liedchen" abzukanzeln, täte dem Liedtext Unrecht. Der dichtende Pfarrer Hey hat seine Worte wohl überlegt gewählt. Dabei aber auch auf bombastische Wortgebilde verzichtet und sich auf das beschränkt, was sich kleinen Kindern vermitteln lässt.

Weihnachten Reloaded

Alle Jahre wieder - ist Weihnachten. Durch die Straßen klingt weihnachtliche Musik, durch die Lüfte zieht der Duft gebratener Äpfel, Nüsse, Würste und Glühwein. Kerzen und Lichter an den Weihnachtsbäumen verbreiten feierliche Stimmung.

Alle Jahre wieder - hetzen wir über Weihnachtsmärkte und durch Kaufhäuser auf der Suche nach passenden Geschenken. Stressen uns mit Vorbereitungen für das Weihnachtsfest, backen Kekse und dekorieren Haus und Garten.

Alle Jahre wieder - stellen wir einen Adventskranz auf und schmücken einen Weihnachtsbaum.

Alle Jahre wieder - ein großer Aufwand für 3 Tage, die oft gar nicht so feierlich sind, wie sie sein sollten oder zumindest erhofft wurden.

Alle Jahre wieder - feiern wir die Geburt eines Kindes, das vor über 2.000 Jahren geboren wurde.

Alle Jahre wieder - das gleiche Zeremoniell, ein gewohntes Ritual, so vertraut wie Dinner for two zu Silvester.

Doch können wir etwas wiederholen, das so lange zurück liegt? Historiker sagen: Geschichte wiederholt sich nicht. Wir können allenfalls daraus lernen und vergangener Ereignisse gedenken. Doch ist die Geburt von Jesus Christus etwas, das vergangen ist? Ist es etwa ein Ereignis der Art: Es war schön, aber leider ist es vorbei?

Wilhelm Hey bringt uns mit seinem Lied eine andere Botschaft: " Alle Jahre wieder kommt das Christuskind". Er sagt, es ist nicht vorbei, es geschieht wieder. Alle Jahre wieder kommt das Christkind neu auf uns zu. Bringt uns erneut seinen Segen und erneuert sein Geleit "an der lieben Hand".

Mit simplen Worten erklärt Pfarrer Hey uns, dass Weihnachten etwas Aktives ist. Es ist keine x-te Wiederholung einer rituellen Gedenkfeier. Vielmehr ist es eine aktive Begegnung, denn das Christkind kommt alle Jahre wieder. Indem wir Weihnachten feiern, nehmen wir es jedes Jahr aufs Neue in uns auf, erneuern das Vertrauen in das Geleit des Christuskinds, das Gott uns vor 2.000 Jahren versprach.

Indem wie alle Jahre wieder Weihnachten feiern, gehen wir jedes Jahr aufs Neue dem Christkind entgegen. Heißen es willkommen mit fröhlichem Gesang, geschmückten Häusern und hell erleuchteten Weihnachtsbäumen.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger will uns Alle Jahre wieder sagen. In der Schlichtheit der Verse liegt die Kraft des Liedes. Keine gekünstelten Phrasen, die zum Philosophieren nötigen, kein abstraktes Kirchenlatein. Nein, schlichte Verse, die wie eine selbstverständliche Wahrheit daher kommen: "Alle Jahre wieder kommt das Christuskind" und es "Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus". Es lässt keines aus und "Ist auch mir zur Seite". Wer möchte da nicht mit einstimmen in dieses Lied des Gottvertrauens…

Tom Borg, 22. Dezember 2016